Work@BplusZ – „Ich wollte frei sein.“ Hans-Joachim Börner von der Busse + Zerbe GmbH

Börner, Hans-Joachim, 72 Jahre – Berufskraftfahrer der Busse + Zerbe GmbH im Ruhestand

Er war keine 13 Jahre alt, als Hans-Joachim-Börner das erste Mal am Steuer einer Sattelzugmaschine saß. Quasi „in die Wiege gelegt“, wurde ihm die Leidenschaft für das LKW-Fahren. Seine beiden Onkel, der eine Bus-Fahrer, der andere Fahrlehrer für Berufskraftfahrer, haben ihn schon als Kind oft mit „auf den Bock“ genommen.

Die Begeisterung war entfacht und er konnte es kaum erwarten sich mit 18 Jahren seinen Traum zu erfüllen und beim Militär seinen CE- Führerschein zu machen.

Danach war er hauptsächlich International unterwegs. Immer mit dem Sattel. Das hat ihm einfach am besten gefallen, so sagt er.

Das Fahren war sein Leben. Er wollte frei sein. Der König der Landstraße.

Mit uns ist er in seinen Ruhestand „gefahren“.

Im Interview erzählt uns der sympathisch rüstige 72-jährige Ur-Berliner, was sich in den 54 Jahren die er Berufskraftfahrer war, verändert hat.  Was er an Busse + Zerbe schätzte und was ihn jetzt im Ruhestand erwartet.

 

-Früher und Heute-

BplusZ: Wie hat sich die Arbeit als LKW-Fahrer über die letzten Jahre verändert?

Hans-Joachim: Früher konnte man irgendwie unabhängiger entscheiden. Man war eigenständiger als die jetzigen Fahrer, die so unterwegs sind.  Auch war der Termindruck nicht so 100-prozentig da. Es war uns im Fernverkehr zum Beispiel überlassen, wann man am Tag beim Kunden aufgeschlagen ist. Jetzt ist das alles so durchgeplant. Liegt ja auch an der Technik. Es kann immer alles abgerufen werden. Fahrerdaten, Zeiten und so weiter.

BplusZ: Würden Sie sich nochmal für diese Arbeit entscheiden?

Hans-Joachim: Ich würde mich immer wieder dafür entscheiden. Als Busfahrer war es damals auch ganz schön, aber lieber LKW. Natürlich auch wieder eine Tour wie bei Busse + Zerbe GmbH. Eine feste Linie und nur nachts, so wie die letzten Jahre.

 

-Job und Privatleben-

BplusZ: Wie hat man Beruf, Liebe und Familie unter einen Hut gebracht?

Hans-Joachim: Meine Frau habe ich zur Militärzeit kennen gelernt. Und sie kennt mich quasi nur als Trucker. So haben wir die ganzen Jahre zusammengehalten. Insgesamt habe ich 3 Kinder und ein Enkel hat mich sogar schon zum Uropa gemacht.

Wenn meine Familie nicht so hinter mir gestanden hätte, dann hätte ich das alles nicht beruflich so durchziehen können.

BplusZ: Im Fernverkehr war das sicher schwer, oder?

Hans-Joachim: Es gab viel Verständnis von meiner Frau und von meiner Familie, denn ich war ja alleine über 15 Jahre lang im Fernverkehr bei einem dänischen Arbeitgeber. Dort war ich immer zwischen 4 und 5 Wochen am Stück unterwegs und nicht Zuhause. Hab an Familien- und Geburtstagsfeiern oft nicht teilgenommen. Klar ist es nicht schön, für denjenigen der mit den LKW draußen ist und eben nicht mitfeiern kann. Das muss man vernünftig für sich abwägen. In meiner Zeit bei Busse + Zerbe GmbH konnte ich das besser planen und war mit bei den Feiern. Jetzt habe ich auch gemerkt, was ich die ganzen Jahre vorher verpasst habe. Die Familie. Weihnachten war mir aber immer heilig. Da hatte ich immer Urlaub.

-Wahrnehmung und Miteinander-

BplusZ: Haben Sie als Berufskraftfahrer bei Ihrer Arbeit das Gefühlt gehabt, im Straßenverkehr ein Hindernis zu sein?

Hans-Joachim: Das Gefühl so direkt hatte ich nicht, aber man wird von den anderen Verkehrsteilnehmern, ob Transporter oder PKW schon bedrängt. Die wollen den LKW nicht den Vorrang lassen. So auf die Art „Jeder will der Erste sein.“

BplusZ: Wie ist das Miteinander allgemein unter LKW-Fahrern?

Hans-Joachim: Naja, selbst unter den Truckern merkt man manchmal eine Konkurrenz… „Ich kann‘s besser!“. So manches Fahrverhalten von den Fahrern ist schon abenteuerlich. Früher wurde sich gegenseitig auch mehr geholfen. Wenn ich zum Beispiel heutzutage am Fahrbahnrand stehe, weil der LKW einen Defekt hat oder was mit dem Reifen ist… Früher hätte der erste oder zweite LKW angehalten und gefragt ob man helfen kann. Heute haben alle zeitlichen Druck und fahren vorbei, außer man gehört zur gleichen Firma.

-Fahrzeuge und verführerische Technik-

BplusZ: Was war ihr Lieblingshersteller? Sicher sind Sie schon viele Verschiedene gefahren, oder? Wie sieht das mit der neuen Technik aus? Was halten Sie davon?

Hans-Joachim: Angefangen habe ich mit Mercedes und zum Schluss war ich einer der Ersten, welche bei Busse + Zerbe GmbH einen Scania bekommen haben. Zu DDR-Zeiten hatte ich einen schönen W50 und als ich im Fernverkehr war, bin ich auch mal Volvo gefahren.

Scania ist aber mein absoluter Favorit. Damals im Fernverkehr hatte ich eine skandinavische Ausführung, dass war schon sehr schön. Der Scania bei Busse + Zerbe GmbH war aber auch sehr gut ausgestattet und ich wollte dort gar nichts anders mehr fahren. Bei den neuen Fahrzeugen ist heutzutage ja jetzt auch mehr Elektronik verbaut und umso mehr kann kaputt gehen. Früher ist man mit den LKW noch „richtig“ selber gefahren. Die neue Technik ist schon sehr verführerisch. Abstandswarner, Tempomat, Fahrspur-Assistent… Man fängt an sich da sehr drauf zu verlassen und das kann tückische Folgen haben. Es war keine schlechte Zeit, als die LKW die Technik noch nicht drin hatten. Man sollte sich heute nicht nur auf die neue Technologie verlassen. Gerade bei Schnee muss man noch wirklich selber fahren können und das Fahrzeug echt im Griff haben.

BplusZ: Haben Sie Ihren LKW früher mit besonderem Interior ausgestattet?

Hans-Joachim: Ja. Er war ja mein zweites Zuhause, wie ein zweiter Haushalt. Die Firmen haben schon immer dafür gesorgt, dass man sich im Fahrzeug wohl fühlt. Man hat es sich gemütlich gemacht und hatte alles mit, damit man sich auch etwas zu Essen machen kann. Auch auf meiner 2-Tageslinie bei Busse + Zerbe GmbH hatte ich es mir im Fahrzeug etwas schön und gemütlich gemacht.

-Fernverkehrsromantik und ungeplanter Kurzurlaub-

BplusZ: Was war die längste Tour, als Sie noch unterwegs waren und war die Sprache ein Problem?

Hans-Joachim: Im Fernverkehr früher bin ich ja International gefahren. Italien, Spanien, Portugal, die Benelux-Staaten und die ganzen skandinavischen Länder. 6 Wochen war das Längste.

In den skandinavischen Ländern konnte ich mich gut mit deutsch verständigen. In den anderen Ländern mit etwas Englisch und teils mit „Händen und Füßen“. Die Kunden hatten immer Verständnis, wenn ich die Sprache nicht konnte.

BplusZ: Sie haben in den ganzen Jahren sicher viel erlebt. Gab es dabei etwas, was Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Hans-Joachim: Bei einer Tour hat mich mein damaliger Arbeitgeber an einem Mittwoch von Esberg in Dänemark mit 6 anderen Fahrer-Kollegen mit leeren Kühltrailern durch Deutschland und teilweise Frankreich nach Spanien, Barcelona geschickt. Diese Strecke sind wir komplett leer gefahren. Dann wurde ich nach Valencia geordert und war dann Freitag gegen Mittag beim Kunden. Ich sollte Südfrüchte für Norwegen laden. Der Kunde hatte eine schöne große Finka neben seiner Firma. Da hatte ich dann ein Zimmer und es gab einen Gemeinschaftsraum. Für Essen und Trinken war gesorgt.

Mein Disponent dachte, ich kann Freitagabend wieder zurück… Montagabend gegen 18Uhr bin ich wieder zurückgefahren. Mein Disponent ist im Dreieck gesprungen. Der Kunde hat zwar alles bezahlt, aber trotzdem… heute würde es so etwas nicht mehr geben.  Die Schwiegermutter des Kunden, welche vor Jahrzehnten aus Deutschland nach Spanien kam, hat uns Fahrer vom aller feinsten verköstigt. Sie sagte immer: „Jungs ihr müsst essen!“ Das war ein schöner „Kurzurlaub“.

– Anerkennung und die Arbeit bei Busse + Zerbe-

BplusZ: Gibt es Anerkennung als Fahrer?

Hans-Joachim: Man wurde früher bei den Kunden, wo man anlieferte mehr anerkannt. Heute ist das leider anders. Klar, es kommt auch auf den Fahrer an. Wenn man dem Kunden gegenüber freundlich kommt, erwartet man das Gleiche zurück. Heute hat man manchmal das Gefühl, man stört.

Die meisten Firmen, auch Busse + Zerbe… Da bekommt man noch die Anerkennung, die man verdient. Bei den Kunden…? Wie man das verbessern kann, dass kann ich nicht sagen. Anerkennung ist auch das Gefühl, das der Arbeitgeber und der Disponent beim Kunden hinter einem stehen. Da auch anmerken, wenn der Kunde sich nicht korrekt uns als Fahrern gegen über verhalten hat, oder die Planung vom Auftraggeber nicht gut war. Auf jeden Fall ist es so, dass die Geschäftsführung und die Leute im Büro bei Busse + Zerbe ein offenes Ohr haben…Sich auch die Meinung der Fahrer annehmen. Man fühlt sich gehört. Und es passiert auch was.

BplusZ: Wie war die Zusammenarbeit zwischen Unitmanger/Diposition bei Busse + Zerbe GmbH und Ihnen, bzw. den Fahrern?

Hans-Joachim: Es werden in der Dispo Leute eingesetzt die Ahnung davon haben und wirklich mit den Fahrern zusammenarbeiten wollen. Die Meinung des Fahrers einholen und Verbesserungen auslösen. Das hat auch was mit der Einstellung der Geschäftsleitung zu tun. Die stehen auch hinter den Fahrern. Wenn es Probleme oder Änderungen gibt, dann wird das vernünftig dem Fahrer gesagt und das ist wichtig.

BplusZ: Was haben Sie an der Zusammenarbeit mit Busse + Zerbe geschätzt?

Hans-Joachim: Ich hatte immer das Gefühl, egal in welcher Sache, ob privat oder beruflich… Man konnte mit jedem offen sprechen. In der Dispo, im Personal, mit der Niederlassungsleitung. Derjenige hat es sich angehört und einem wurde geholfen. So habe ich Busse + Zerbe kennen und auch schätzen gelernt. Man wurde nie abwertend behandelt. Hut ab, was Herr Kampmann (ehem. Busse) und Herr Zerbe für ihre Leute so in die Wege geleitet haben. Man wurde immer als Mensch behandelt und nicht als Nummer.

-Einfahrt in den Ruhestand-

BplusZ: Was haben Sie jetzt im Ruhestand geplant?

Hans-Joachim: Sagen wir mal so… ein Rentner hat nie Zeit. Wir haben als erstes unsere Wohnung renoviert. Dann haben wir noch einen Kleingarten. Da werde ich einige handwerkliche Projekte umsetzten, für die ich jetzt erst im Ruhestand Zeit finde.

Ich, als Opa werde ja jetzt ja auch in der Familie eingespannt. Darauf freue ich mich.

BplusZ: Vermissen Sie schon den LKW und das Fahren?

Hans-Joachim: Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Bei schlechtem Wetter und Schnee so wie jetzt ist das klar, da will man auch nicht unbedingt raus. Aber die Sehnsucht kommt mit 100-prozentiger Sicherheit.

-Ratschläge für die Jugend-

BplusZ: Was würden Sie als „alter Hase“ jungen Fahrerinnen und Fahrern raten?

Hans-Joachim: Ich würde Folgendes raten… Man sollte Lehren annehmen, aber sich nicht von älteren Fahrern unterbuttern lassen. Immer selbstbewusst ran gehen und keine Beklemmungen haben. Respekt, aber keine Angst vorm LKW und der Arbeit. Und wenn mal was nicht klappt, nicht gleich „die Flinte ins Korn werfen“.

Zum Berufskraftfahrer muss man geboren sein. Man muss aus Leidenschaft und mit Herz dahinterstehen.

 

Interview: Melanie Kahl, Marketing // Unternehmenskommunikation der BplusZ Group

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.