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„Etwas, was sich Frauen sonst nicht so zutrauen.“

H. Varol , 39 Jahre, Fahrerin bei Busse + Zerbe Deutschland GmbH in Unterschleißheim

Die Liebe hat Hülya vor 20 Jahren aus der Türkei nach Deutschland geführt. Unglücklich im Job, fand Sie die Möglichkeit neu durch zu starten. Sie wollte etwas machen, was man Frauen sonst nicht unbedingt zutraut. Einen starken Charakter hatte sie schon immer.

Die im Herzen achtzehn gebliebene und sympathische junge Frau ist vor zwei Jahren in der Männerdomäne als Berufskraftfahrerin eingestiegen.

Den Job als Truckerin meistert sie, obwohl sie alleinerziehende Single-Mum ist. Die passende Tour, sehr gute Kommunikation und das Management in der Familie machen es möglich, damit sie ihren Traum von den großen Weiten der Straßen als LKW-Fahrerin leben kann.

„Wenn ich kann, fahre ich jetzt bis zur Rente. Ich fühle mich angekommen, trotz dass ich ständig unterwegs bin.“ sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

In unserem gemeinsamen Interview erzählt uns Hülya wie sie als Führerschein- und Branchenneuling bei Busse + Zerbe Deutschland GmbH in Unterschleißheim gestartet ist, was sie so Skurriles im letzten Winter erlebt hat, von ihrer Traum-Tour und einigem mehr.

 

 -neues Land und die Verwirklichung eines Traums-

BplusZ: Wie ist es dazu gekommen, dass Du nach Deutschland ausgewandert bist?

Hülya: Ich bin der Liebe wegen vor 20 Jahren, also 2002 nach Deutschland gekommen, hier sesshaft geworden und habe mir etwas aufgebaut.

BplusZ: Was hast Du beruflich gemacht, bevor Du LKW-Fahrerin geworden bist?

Hülya: Ich habe als Produktionsmitarbeiterin für einen Autoteile-Hersteller am Band gearbeitet. Mein Traum war das nicht. Ich wollte etwas Besonderes als Frau machen. Und darüber bin ich dann zum Job als Berufskraftfahrerin gekommen. Ich hatte zum Glück die Möglichkeit über das Arbeitsamt die Beschleunigte Grundqualifikation zu machen und diesen Traum in die Realität umzusetzen. Heute fahre ich einen 40 Tonner Sattelzug und bin happy. Ich wollte etwas Außergewöhnliches machen. Etwas, was sich Frauen sonst nicht so zutrauen. 

 

-Start bei BplusZ und die Leidenschaft-

BplusZ: Bist Du direkt nach Bestehen des großen Führerscheins zu uns gekommen?

Hülya: Ja, Ihr seid meine erste Firma. Bei Busse + Zerbe in Unterschleißheim bei München habe ich angefangen und bin ich immer noch.

Eine andere Fahrerin von Busse + Zerbe hat mir die Firma und die Niederlassung empfohlen. Deswegen habe ich mich dann auch dort beworben. Da vertraut man ja auch auf die Meinung, wenn jemand so zufrieden ist wie sie. Sie konnte nur Gutes erzählen und ich dachte, hier kann ich auch als Frau super starten.

BplusZ: Wie wurdest Du als Führerschein-Neuling eingewiesen?

Hülya: Ich hatte 2 Wochen „Lernzeit“ und bin da mit meiner Kollegin mitgefahren. Sie hat mir auch alles erklärt mit dem Scanner und den Papieren. Beim Rangieren unterstützt.

Nach den 2 Wochen war ich auch soweit fit um gut allein zu starten. Ich hatte da kein schlechtes Gefühl oder so. Ich wollte auch alleine los. Die Firma hätte mir mehr „Lernzeit“ gegeben, wenn ich Sie gewollt oder gebraucht hätte.

BplusZ: Warst Du am Anfang sehr angespannt auf dem LKW?

Hülya: Klar, ein Anfang ist immer schwer. Aber ich habe mich schnell rein gefunden. Man muss strukturiert ran gehen und darf sich nicht aus dem Konzept bringen lassen.

BplusZ: Hast Du mit dem Fahren und den Trucks auch deine Leidenschaft gefunden? Wenn man die Beschleunigte Grundqualifikation innerhalb von 3-4 Monaten macht, weiß man ja noch nicht, ob es dann auch der richtige Job für einen ist, oder?

Hülya: Ja, warum denn nicht? Ich sag mal so… bis zur Rente fahre ich definitiv und ich habe mega Spaß. Klar war der Anfang stressig und man muss viel lernen, aber niemand kann etwas gleich perfekt und jeder Anfang ist schwer. Es passt super. Meine Entscheidung den Job zu machen war genau richtig.

 

-arbeiten in einer Männer-Domäne-

BplusZ: Wurdest Du als Frau gut im Team aufgenommen?

Hülya: Ja. Alle meine Kollegen sind, nett, lieb und vor allem sehr lustig. Ich komme mit allen sehr gut aus und wir helfen uns.

BplusZ: Thema Männer-Domäne. Wie ist das so beim Kunden und Auftraggeber?

Hülya: Ich fahre bei einem Aufraggeber der Lebensmittel transportiert, einen 40 Tonnen Sattelzug mit Kühltrailer. Am Anfang war es schon etwas komisch und gewöhnungsbedürftig. Aber es ist ja mein Alltag mit Männern zu arbeiten und ich verstehe mich mit allen.

BplusZ: Hast Du das Gefühl als Frau anders behandelt zu werden?

Hülya: Nein. Das habe ich nicht. Man hat da auch keine speziellen Vor- oder Nachteile. Vielleicht sind sie froh auch mal eine Frau zu sehen, aber sonst ist es so denke ich, der Umgang völlig normal.

Die erste Woche war so… was mach ich denn jetzt mit den vielen Männern um mich herum…? Oft ist man ja wirklich die einzige Frau. Aber ich kann mich gut durchsetzen und komme wirklich gut klar.

Früher war das als Frau in dem Job sicher etwas schwerer und anders.

 

-Trucks und Touren-

BplusZ: Was für Hersteller bist Du bisher so gefahren?

Hülya: Meinen Führerschein habe ich auf einem Mercedes gemacht. Dann hatte ich eine Woche Praktikum auf einem DAF, dann einen Tag MAN weil mein LKW in der Werkstatt war und seit dem nur noch Scania. Dieser ist einfach auch mein Favorit. Wenn ich kann, würde ich auch bei Scania bleiben wollen.

BplusZ: Bist Du schon mal Wechselbrücke gefahren? Würde Dich das auch Interessieren?

Hülya: Bin ich bisher noch nicht. Hab auch gehört, dass es nicht so einfach sein soll. Würde mir das auch gern mal anschauen und irgendwann gern mal lernen. Man brauch wohl auch Kraft wegen den Brückenbeinen.

BplusZ: Hattest Du schon mal einen Unfall?

Hülya: Toi toi toi, bisher hatte ich noch keinen Unfall. Das kann ja jedem mal passieren, aber ich pass sehr gut auf und Gott sei Dank war bisher nichts. Das freut ja auch den Chef.

BplusZ: Gab es Situationen wie besondere Wetterverhältnisse, wo Dir im LKW schon etwas mulmig war?

Hülya: Bisher kaum. Höchstens wo jetzt der Wind so stark war. Klar muss man bei Schnee und Regen sehr gut aufpassen und auch sehr vorsichtig sein.

Aber bisher hat alles immer sehr gut geklappt. Ich werde in den nächsten Jahren noch weiter lernen und erleben, wie sich der LKW auch bei schlechter Witterung verhält.

BplusZ: Hast Du eine Traum-Tour, welche Du gern mal fahren würdest?

Hülya: Ja. Irgendwann will ich gern in den Fernverkehr. Klar, es ist nicht einfach eine Woche im Fahrzeug zu sein, aber ich will es unbedingt mal erleben.

Ich habe eine Freundin in Frankreich und die ist im Fernverkehr. Sie hat immer riesigen Spaß. Allein sein ist für mich auch kein Problem. Ich arbeite gern für mich, was aber nicht heißt das ich kein Teamplayer bin.

 

– Familienleben und die Arbeit für Unterschleißheim –

BplusZ: Du hast 2 Töchter. Wie schaffst Du den Job und die Mädels unter einen Hut zu bekommen?

Hülya: Ich komme gut klar. Meine Töchter gehen morgens selbst zur Schule und meine große Tochter holt die Kleine aus der Nachmittags-Betreuung ab, wenn ich es nicht pünktlich schaffe. Ich habe mit der Tagschicht auf dem Sattel auch eine Tour die sehr familienfreundlich ist.

Meine Arbeitszeiten sind super und ich bin echt froh die Tour so zu haben, da ich alleinerziehend bin und alles allein manage. Busse + Zerbe zeigt, dass man das auch umsetzen kann… Alleinerziehend und Truckerin.

Ich bin sehr dankbar für meine Kinder und stolz auf sie. Sie sind echt selbstständig und helfen mit. Wir sind ein super eingespieltes Team.

BplusZ: Was wäre denn, wenn Deine Kinder irgendwann kommen und sagen: „Mama, ich möchte auch Truckerin werden.“ Wie reagierst du?

Hülya: Sie müssen das selber entscheiden, aber ich würde es empfehlen, da ich mich sehr wohl fühle. Sie sollen jedoch ihren eigenen Weg gehen.

BplusZ: Was gefällt Dir an Unterschleißheim besonders? Was hast Du für ein Gefühl bei uns als Arbeitgeber?

Hülya: Am meisten gefällt mir, dass meine Unit-Manager ein offenes Ohr haben und mir schnell helfen bei Fragen und Anliegen.

Ich finde es auch gut, dass ich im Urlaub meine Spesen weiter bekomme. Das macht auch nicht jeder. Auch das Busse + Zerbe die Kosten für Module und so übernehmen. Ich kann nichts Negatives weiter sagen.

Allgemein hat man als LKW-Fahrer schnell und sicher Arbeit. Jeder findet eine Tour, die zu seinem Leben passt und man ist sein eigener Chef allein auf dem LKW. Für mich war es genau die richtige Entscheidung den Job zu machen und darauf umzuschulen.

 

– Öffentlichkeit und Freizeit –

BplusZ: Es gibt ja im TV das Konzept „Trucker Babes“. Du hattest ja auch schon einen YouTuber mit auf dem LKW und hast einen sehr erfolgreichen Instagram-Account. Wäre „Trucker Babes“ auch etwas für Dich?

Hülya: Ich habe kein Problem damit in die Öffentlichkeit zu treten und auch zu zeigen, dass mir der Job als Berufskraftfahrerin sehr gefällt. Also…Warum nicht? Sie zeigen ja wirklich teilweise gute Einblicke in den Job und wir Mädels können den Job genauso gut wie die Jungs. Wenn sich da mal etwas ergeben würde, wäre ich in jedem Fall dabei.

BplusZ: Was machst Du so in deiner Freizeit?

Hülya: Ich geh gern mit den Kids raus, unternehme was. Kino, schwimmen… Geh auch gern mit meinen Freundinnen abends weg. Klatsch und Tratsch mit den Mädels bei einem gemütlichen Cocktailabend. Ein bisschen Mädchen bin ich ja auch und mach mir gern die Nägel.

Einen Mann gibt es momentan nicht in meinem Leben. Ich warte noch auf meinen Prinzen.

 

-die Liebe und was man/Frau so Skurriles erlebt-

BplusZ: Ist es schwer als Truckerin einen Mann zu finden?

Hülya: Ich glaube nicht das es der Beruf oder die hauptsächliche Arbeit mit Männern schwerer macht. Zumindest war das bisher nicht das Problem. Es ist doch nicht entscheidend was mach beruflich macht, wenn man einen Menschen liebt. Und Vertrauen sollte ja immer da sein.

BplusZ: Was ist das Verrückteste, was Dir während der Arbeit passiert ist?

Hülya: Letztes Jahr zu Weihnachten wurde ich bei einem Kunden von einem alten Mann auf deren Parkplatz durch Handzeichen von ihm gestoppt. Ich hielt an und machte meine Fensterscheibe runter.

Er kam und gab mir ein kleines Weihnachtsgeschenk mit einem motivierenden Brief… es war tatsächlich ein dreiseitiger Liebesbrief und irgendwie hat mich das wirklich schockiert. Also… es war nett, aber sehr seltsam.

Er hat mich immer gesehen und meinte, ich wäre immer pünktlich und würde das super machen.  Eine Mischung aus Freude und Schock, wenn ich daran denke.

BplusZ: An sich ja nett, aber nach Hause sollte er dir nicht folgen.

 

-Rat für die Neuen im Job-

BplusZ: Wenn jetzt jemand den Führerschein neu hat, gibt es einen Rat den Du demjenigen mitgeben würdest?

Hülya: Immer ruhig beim Fahren bleiben. Wenn Du neu bist, kannst Du Dich nicht so schnell bewegen und fahren. Nimm Dir etwas Zeit. Gerade rückwärts muss man vorsichtig sein. Insgesamt denke ich, man brauch 6-7 Monate um annähernd perfekt zu sein. Und dann geht es schon schneller. Aber man lernt trotzdem jeden Tag ein klein wenig dazu.

 

Interview: Melanie Kahl

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen männlich, weiblich und divers (m/w/d) verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.